„Denn so dicht können sich die Gedanken der Begierde über dem Himmel des Bewußtseins verfilzen, …

… dass nicht einmal ein schmaler Streifen Licht zur Seele hinabreicht, deren dunkler und feuchter Grund alles Leben außer den niedersten Lebensformen ausschließt; Moose und Pilze, Käfer und Gewürm, die eine oder andere schleimige Schnecke, die blind im Morast kriecht. Und von wem kann man schon erwarten, dass er unter solchen Umständen das Richtige tut. Eine Zeit lang schaffst du es vielleicht noch, die Lichtung offen zu halten. Gerecht und erleuchtet bist du dann, früher oder später schläfst du jedoch ein und wenn du erwachst, wirst du einmal mehr von Dunkelheit umfangen. Reichen deine Kräfte, machst du dich von Neuem ans Werk, wenn nicht gibst du auf. Die menschliche Seele ist eine Rodung im Wald, und dem göttlich Reinen und Makellosen muss es völlig unbegreiflich sein, warum sie immer wieder zuwächst. Das ist der Kampf, von dem die Bibel erzählt.“

Karl Ove Knausgard, Alles hat seine Zeit, S. 13 f.

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