Perspektivwechsel

Neulich im Deutschlandfunk: Eine Sendung über das Fluchen. Der Romanist Hans-Martin Gauger hat ein Buch darüber geschrieben. In der Sendung stellt der Autor seine Forschungsergebnisse vor, dass Flüche in Deutschland im Regelfall einen Bezug zu Exkrementen haben, während sich Flüche in den meisten anderen Ländern eher auf Sexuelles beziehen. Die These kannte ich schon lange. Sie diente mir früher als Beleg dafür, dass Deutsche kulturell bedingt analfixiert sind und deshalb von vornherein auf Autoritätsgläubigkeit gepolt. Oder anders ausgedrückt: Flüche wie „Scheiße!“, Verwünschungen wie „Arschloch“ haben Hitler erst den Weg geebnet.

Gauger interpretiert das anders. Die sexualbezogenen Flüche der anderen Europäer, die sich sehr häufig auf Mütter, Schwestern, Ehefrauen und deren primäre Geschlechtsorgane beziehen, würden die Frau abwerten. Das sei bei den  Deutschen, deren ausscheidungsbezogene Flüche nicht geschlechtsspezifisch seien, nicht der Fall.

Hört sich auch plausibel an. Und sympathischer ist es allemal. Werde ich die nächsten 25 Jahre glauben.

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