Berliner Wahlkampf

Nein, ich nehme die Aussagen auf Wahlplakaten eigentlich nicht über die Maßen ernst. Aber manchmal wird es mir einfach zu bunt.

Ich habe mindestens zehn Minuten darüber nachgedacht, wie die Linke das sehr unterstützenswerte Ziel, die Sympathien für den Nationalsozialismus aus den Köpfen vieler Mitbürger zu entfernen, mit den Mitteln der Berliner Landespolitik realisieren will. Etwas Schlaueres als Einweisung ins Umerziehungslager ist mir nicht eingefallen.

Noch schlimmer die FDP:

Zuerst habe ich nur den weiß unterlegten Text wahrgenommen: „Wir finden, dass es eine nette Geste wäre, in Paris nach „Croissants“ statt nach „Schrippen“ zu fragen.“

Was soll das? Wer wäre so blöd, in Paris nach Schrippen zu fragen? Das Zielpublikum der FDP? Das kann doch nicht funktionieren? Ich wollte mich über diesen Schwachsinn lustig machen und habe das Plakat dabei fotografiert. Dabei habe ich den nicht unterlegten Text erstmals wahrgenommen – Kompliment an den Designer:

„Wie steht die FDP zur Integration?“ Mir wurde einiges klar. Hier wird mit Metaphern gearbeitet. Migranten sollen sich gefälligst anpassen und Schrippen kaufen. Aber nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich:

Ich bezweifele, dass ein Bäckereikunde mit Migrationshintergrund voraussetzungslos eine Berliner Bäckerei betritt, um heimisches Gebäck zu kaufen. Und wenn er es tut, wird ihm die sogenannte Schrippenpredigt gehalten. Und dann kann er sich aussuchen, ob er Schrippen, Mohn- oder Vollkornbrötchen kauft.

Denkt man über den Unsinn weiter nach, wird es noch irrer: Was findet die FDP eigentlich so schlimm daran, wenn der Markt ein dringendes Bedürfnis der Kunden nach einer spezialisierten Dienstleistung erfüllt? Um im Bild zu bleiben: Angenommen, die in Paris lebenden Berliner Exilanten triebe ein tief sitzendes Bedürfnis nach Schrippen, Fassbrause und Currywurst um, wäre es nicht legitim, dieses durch Eröffnung eines Geschäfts für Berliner Spezialitäten mit angeschlossenem Café zu befriedigen? Und warum sollte etwas anderes für die hier lebenden Migranten gelten?

Es ist in Ordnung, von den hier lebenden Menschen ein Mindestmaß an Anpassung an die hier geltenden Regeln zu fordern (auch wenn ich das nicht unbedingt von einer Partei erwarten würde, die sich vor langer Zeit auch den persönlichen Freiheiten verpflichtet sah), aber ich denke, dass ich als Wahlbürger aka Stimmvieh und Steuerzahler, der den ganzen Unsinn letztendlich finanziert, auch ein gewisses Maß an Logik in der Wahlpropaganda fordern kann.

Auf den Punkt bringt es wiederum die Linke mit der schönen Aussage: „Privat ist Katastrophe“, aber – und das ist die gute Nachricht: Renate Künast kümmert sich.

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